You & Me


Der neueste Wurf des umtriebigen Andreas Caminada ist sein Kochbuch „You & Me“, erschienen im at Verlag. Sein mittlerweile viertes Buch in relativ kurzer Zeit nach „Purer Freude“, „Purer Leidenschaft“ und „Purer Frische“ zeigt, dass Caminada keine halben Sachen macht. Rein äußerlich lehnt sich sein aktuellstes Werk an René Redzepis „A Work in Progress“ an: ein kleines Booklet wird vor dem Hauptwerk mit Gummibändern festgehalten. Thematisch finden sich im Hauptband die Signature-Dishes der IGNIV-Restaurants wieder, im Booklet werden eher einfachere Rezepte behandelt – man könnte meinen, man hat dafür einfach ein paar Rezepte aus Caminadas oben genannten drei Büchern recht wirr zusammengestellt. Der Mehrwert erschließt sich mir hier nicht. Das Booklet bleibt ein rein optischer Hingucker (den es ja so schonmal gab!), inhaltlich lohnt es sich nicht. Die Gummibänder landen in der Schublade. Kann der Hauptband den Leser überzeugen?

Im Hauptband nimmt Andreas Caminada den Leser mit in die Welt seiner IGNIV-Restaurants. Er stellt die jeweiligen Küchenteams vor, präsentiert die Rezeptklassiker der vier IGNIV-Lokale in Bad Ragaz, St. Moritz, Zürich und Bangkok und die Signature-Dishes einzelner Küchenchefs. Wer also in das „Caminada“-Universum so richtig eintauchen will und sich vor gehobener und zeitaufwändiger Küche und deren Zubereitung nicht scheut, ist hier bestens aufgehoben.

„Willkommen im Nest“, so lautet Caminadas Motto. Denn IGNIV bedeutet aus dem Rätoromanischen übersetzt „Nest“. Und das sollen alle IGNIV-Restaurants, „Nester“ in denen man sich behaglich füht, die Alltagssorgen vergessen kann und mit allen Sinnen eintaucht in die kulinarische Welt des Andreas Caminada. Es soll dabei immer ungezwungen zugehen, keine Etikette vorherrschen. So wie es auch Tim Raue zelebriert – trotz seiner 2 Michelinsterne. Caminada ist mit seinem Restaurant und Hotel Schloss Schauenstein (Fürstenau, Graubünden) mit 3 Michelinsternen dekoriert. Damit in allen seiner IGNIV-Lokale eine gewisse Nestwärme entsteht, ist die Designerin Patricia Urquiola für das Interior zuständig und bringt die Gäste mit zeitgenössischer Kunst in Kontakt, mit Fotografie und Musik. Die Kulinarik bildet dabei immer das Zentrum. Eine Hauptrolle spielt das Sharing-Prinzip: das gesellige Teilen der Speisen.

Genau genommen werden im Hauptband drei seiner vier IGNIV-Restaurants genauer unter die Lupe genommen, das IGNIV in St. Moritz ist erst kürzlich eröffnet worden. Das Buch ist daher folgendermaßen aufgebaut: Bad Ragaz, Bangkok, Zürich und On the Road. Auf den insgesamt fast 400 Seiten lockern großformatige Fotografien des Interieurs und des beteiligten Stabs des IGNIV-Universums. Im Kapitel „Bad Ragaz“ machen dem Leser „Gebeiztes Saiblingsfilet mit Dill und Beurre Blanc“ (S. 66/67), „Milchlammrücken mit Harissa und Bärlauchöl“ (S.74) und das „Holunderblütenparfait mit Meringue und Zitrus-Gel“ (S. 83) Lust aufs pure Schwelgen oder Nachkochen. Eine gute Küchenausstattung vorausgesetzt! Vom Schwierigkeitsgrad her sind die meisten Gerichte vergleichbar mit den „Die Weltköche zu Gast im Ikarus“-Rezepten – es gibt aber auch das ein oder andere leckere Gericht ohne zu viel Aufwand oder Küchenutensilie. In „Bangkok“ verwöhnen einen „Thai- Rindfleisch-Salat“ (S. 133), „Gedämpfte Schweine-Buns“ (S. 136) oder „Gegrillter Chinakohl mit Schwarzer-Knoblauch-Sabayon“ (S. 155). In „Zürich“ gibt es „Entenküchlein mit Sellerieboden, Apfel und Brioche“ (S. 215), „Rehrücken mit Röstzwiebel-Spoom, Preiselbeeren und Dörrbirnencreme“ (S. 239) und „Kartoffel-Topinambur-Tartelettes“ (S. 247). Ab Seite 293 sind Rezepte gelistet, die Caminadas Küchenchefs auf ihren Reisen in die weite Welt gesammelt bzw. inspiriert haben.

Kurzum: „You & Me“ ist ein toller Einblick in das Konzept der IGNIV-Restaurants und liefert nachkochbare Rezepte in Hülle und Fülle. Wen Hintergründe zu den einzelnen Locations interessieren, findet im Buch auch dazu Informationen – für mich ist das aber zweitrangig. Wie eingangs erwähnt bräuchte es das zusätzliche Booklet nicht, bietet doch der Hauptband genug auf seinen knapp 400 Seiten.

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